Waldinseln Ruhr

„Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“

Afrikanisches Sprichwort

Herzlich willkommen bei „Waldinseln Ruhr“!
Unsere Initiative hat sich das Ziel gesetzt, etwas sowohl für den Klimaschutz als auch für unsere Städte zu tun. Konkret wollen wir in ausgewählten Stadtteilen im Ruhrgebiet „Waldinseln“ realisieren – also dicht gepflanzte Wäldchen auf einer relativ kleinen Fläche mitten im urbanen Raum. Sie sollen dazu beitragen, Umwelt und Klima zu verbessern. Dass unsere Städte davon profitieren werden, zeigt ein Blick auf die Essener KlimaMap.

Ein kurzer Blick auf die Vorteile, die Waldinseln für unsere Städte bieten:

im Detail:

Artenvielfalt

heimische Arten unterstützen

Unsere Tierwelt ist an ihre Umgebung angepasst, und da in den Waldinseln nur standortgerechte und einheimische Arten wie etwa Eiche, Hainbuche und Faulbaum gepflanzt werden, bieten sie Nahrung und Unterschlupf für viele Lebewesen.

In Deutschland gibt es rund 48.000 Tierarten, davon sind ca. 33.000 Insekten – und diese sind besonders gefährdet: Laut „Krefeld-Studie“ ist die Biomasse der Fluginsekten innerhalb von 30 Jahren um etwa 75% zurückgegangen.
Die industrialisierte Landwirtschaft reduziert zudem den Lebensraum für viele Tiere. Aber auch in unseren Städten haben wir die Möglichkeit, etwas für die Artenvielfalt tun, indem wir Flächen entsiegeln und begrünen. Waldinseln können hier als Trittsteinbiotope dienen.

Wasserspeicher

Nicht nur die Hitze, auch die Starkregenereignisse haben in letzter Zeit immer mehr zugenommen, und unsere dicht bebauten Städte sind schlecht dagegen gewappnet.

Bäume sind natürliche Regenrückhalter: Sie fangen Wasser bereits in der Krone ab und haben ein weitverzweigtes Wurzelwerk, das als Flüssigkeitsspeicher dient und mit dem sie wie ein Schwamm große Mengen Wasser aufsaugen. Der Regen versickert also im Erdreich, anstatt sich in Straßen und Kellern zu stauen. So wird auch verhindert, dass Wasser von versiegelten Flächen in der Kanalisation landet, von wo aus es über Bäche und Flüsse direkt ins Meer gelangt.

Das schützt das Grundwasser und außerdem auch die umliegenden Gewässer vor überlaufendem Schmutzwasser aus der Kanalisation.

Boden verbessern

In unseren Städten ist ein Großteil der Flächen versiegelt und entsprechend degeneriert. In den Miniwäldern hingegen beginnt sich schon nach wenigen Jahren eine neue Humusschicht zu bilden.

Abgestorbene Tier- und Pflanzenteile werden von Bodenlebewesen zerkleinert und dann von Mikroorganismen zu Humin- und später Mineralstoffen zersetzt, die den Pflanzen als Nährstoff dienen. Die Humusschicht ist besonders wertvoll, da sie außerdem hervorragend Wasser und Nährstoffe speichert, die Bodenstruktur stabilisiert und Giftstoffe neutralisiert.

Außerdem sind die Böden der zweitgrößte Kohlenstoffspeicher nach den Ozeanen.
Vor allem aber sind sie Heimstätte für knapp 60% aller Arten der Welt, von Bakterien über Pilze bis zu Würmern, Asseln, Springschwänzen und Wimpertierchen – in einer Handvoll Walderde findet man mehr Lebewesen als Menschen auf der Erde.

Luft filtern und reinigen

Die Pflanzen reduzieren den Lärm, filtern Feinstaub, Stickoxide und andere Schadstoffe aus der Luft, produzieren Sauerstoff – und speichern nebenbei auch noch Kohlenstoff.

Außerdem wirken sie wie eine kleine Klimaanlage im Quartier. In dicht besiedelten Ballungsräumen entstehen im Sommer immer häufiger sogenannte „städtische Wärmeinseln“, und Bäume tragen durch die Verschattung und Verdunstung effektiv zur Kühlung bei.
Sie senken die Lufttemperatur in der direkten Umgebung um bis zu 2 Grad, und der gefühlte Temperaturunterschied zwischen einem Baumschatten und einer besonnten Fläche kann sogar über 10 Grad betragen!

Besonders effizient sind viele gut verteilte kleine Parks und Grünflächen, da der Filter- und
Kühlungseffekt durch die umliegenden Häuser begrenzt wird.

gemeinsam aktiv werden

Gemeinsam pflanzen, beobachten, jäten und entspannen – in unserem oft hektischen Alltag ist es wohltuend, Zeit in der Natur zu verbringen, am liebsten in netter Gesellschaft.

Hier wird generationenübergreifend angepackt. Erfahrung und Neugier ergänzen sich wunderbar, und schnell sind die Bäume größer als die Kinder, die sie gepflanzt haben. Gerade für diese ist die Naturerfahrung wichtig, da ihr Aktivitätsradius
um ihre Wohnung herum immer weiter abnimmt und das Grün in der Stadt oft das Einzige ist, mit dem sie in Kontakt kommen.

Durch die gemeinsame Pflanzaktion und die Pflege der Fläche während der ersten 2-3 Jahre entstehen neue Kontakte und oft auch ein besseres Verständnis für Natur- und Umweltschutz.

Und schließlich wirken sich Bäume und Stadtgrün positiv auf die Gesundheit aus.

gesund durch mehr Grün

Es gibt immer mehr Studien die belegen, dass sich mehr Grün im direkten Umfeld positiv auf die Gesundheit auswirkt.

Sei es, dass nach einer OP weniger Medikamente benötigt werden und die Menschen schneller genesen, sei es, dass es weniger Antidepressiva verschrieben werden – und eine Studie aus den USA zeigt sogar, dass die Kriminalitätsrate in Gegenden mit viel Stadtgrün sinkt.

Miyawaki-Methode

Miyawaki-Wald, gepflanzt 2015 vom IVN in Zaandam (NL)

Bei der Pflanzung orientieren wir uns an der Miyawaki-Methode – benannt nach dem japanischen Pflanzensoziologen Akira Miyawaki.

Hierbei werden auf einer kleinen Fläche -ab 100m²- mindestens 25 verschiedene Arten sehr dicht gepflanzt, meist ca. 4 Pflanzen pro Quadratmeter.
Der Boden wird vorher „gelüftet“ und je nach Beschaffenheit mit Kalk, Sand, Kompost etc. aufbereitet, um die besten Voraussetzungen für die jungen Pflanzen zu schaffen. Eine dicke Mulchschicht schützt sie anfangs vor Beikraut und Austrocknung.
Da die Setzlinge zudem um Licht konkurrieren, wachsen sie sehr schnell, sodass die Bäume bereits innerhalb einiger Jahre mehrere Meter hoch sind. Es werden ausschließlich heimische Büsche, Sträucher und Bäume ausgewählt, möglichst mit Blick auf die potentielle natürliche Vegetation (pnV) bzw. gleichartige Pflanzengruppen. Starkwüchsige Pionierpflanzen, die sich normalerweise auf Brachflächen als erste ansiedeln, werden nur vereinzelt eingesetzt.
Durch die vielen verschiedenen Pflanzenarten bieten die Miyawaki-Haine auch entsprechend vielen Insekten, Vögeln, Amphibien und kleinen Säugetieren einen Lebensraum mitten in der Stadt – eine kleine „urbane Wildnis“.

Waldstruktur

Es werden immer Pflanzen mit unterschiedlichen Wuchshöhen gewählt, außen wird zudem mit Sträuchern und niedrigeren Baumarten ein kleiner Waldsaum nachgeahmt, und auch im inneren Bereich wird die Unterholz- und Kronenschicht mit Sträuchern durchmischt. Dadurch entsteht eine sehr dichte und „mehrstöckige“ Waldstruktur mit einer großen Blattoberfläche.

Spätestens wenn die Mulchschicht zersetzt ist, werden als Krautschicht Pflanzen wie Waldmeister, Bärlauch und März-Veilchen ergänzt – oder siedeln sich von alleine an.

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